2. Dezember 2020

Kommentar: Die Zukunft des Macs mit ARM

⏱Lesezeit: 8 Minuten

Kürzlich hat Apple die ersten Macs mit hauseigener CPU vorgestellt. Apple selbst stellt diesen Schritt als einen Wendepunkt in der Geschichte des Macs da, einige Experten prognostizieren sogar eine massiere Veränderung des gesamten PC-Marktes. Doch was ist dran an diesen Aussagen? Was ändert sich unter dem ARM-Chipsatz? Das versuchen wir heute etwas zu beleuchten und teilen unsere Meinung mit euch.

ARM – Wozu?

Gerüchte berichteten von dieser Änderung schon seit einiger Zeit. Im Sommer 2020 haben wir dann Gewissheit bekommen. Apple stellt den Mac komplett auf eigene CPUs um. Diese basieren auf Entwürfen von ARM. Vereinfacht gesagt, haben diese CPUs einen kleineren Befehlssatz, dies steigert insbesondere die Effizienz für allgemein geschriebene Programme. Speziell auf die Hardware angepasste Software würde beispielsweise auf einem Intel-Rechner besser laufen. 

Apple selbst hat seit über 10 Jahren Erfahrung im Designen von Prozessorarchitekturen. ARM-Prozessoren findet man unter anderem auch in iPhones, veränderte Varianten von anderen Herstellern aber beispielsweise auch in jedem anderen Android-Smartphone. Apple konnte den technischen Vorsprung gegenüber Mitbewerbern in den letzten drei bis vier Jahren aber immer weiter ausbauen, und stellt mit den jeweiligen A13- und A14-Prozessoren für die iPhones nach wie vor die schnellsten CPUs auf dem Smartphone-Markt her.

Dieses Wissen will sich der Konzern nun zunutze machen, um auch die Macs auf ein neues Leistungsniveau zu bringen.  Verstärkt wurde der Trend noch dadurch, dass in den letzten Jahren der bisherige Weltmarktführer für CPUs, Intel, sich technologisch nicht so weiter entwickelte, wie Analysten, aber auch Firmen, dies sich von Intel erwartet hatten. Auch deshalb ist es für den Mitbewerber AMD in letzter Zeit immer einfacher gewesen, nach jahrelangem Rückstand nun wieder aufzuholen.

Mit Hardware aus dem eigenen Haus verspricht sich Apple natürlich neben einem anderen Gewinn-Verhältnis auch noch, dass so wie beim iPhone auch die Integration der Software und Hardware noch besser funktioniert, als dies bisher sowieso schon der Fall war. Außerdem gibt es weitere Synergieeffekte. So wird es möglich sein, Programme und Code, der eigentlich für iPhones und iPads gedacht war, zukünftig auch auf dem Mac ausführen zu können. Und dies komplett ohne jedwede Anpassung oder neue Kompilierung.

Darin sieht Apple mit Sicherheit eine Goldgrube, wie auch Apple hat auch Mitbewerber Microsoft bereits seit langem ebenfalls einen Store für Windows-Geräte. Allerdings haben sich der Mac und PCs bisher das gleiche Schicksal geteilt, die Stores wurden nur sehr schleppend angenommen.

Durch die nun dazukommenden iPhone-Apps soll der Mac also ein riesigen Haufen Software bekommen, für den das iPhone unter anderem immer wieder gelobt wird.

Auswirkungen auf die Hardware

ARM-CPUs sind also sehr effizient, dies macht es möglich, mehr Leistung bei gleichem Leistungsabruf liefern zu können. Die neue Generation an Macs mit dem M1-Chip von Apple ist teilweise bis zu dreimal schneller beim Berechnen und sechsmal schneller bei Grafikanforderungen als die Vorgänger-Modelle von letztem Jahr. Gleichzeitig verlängert sich die Laufzeit teilweise um ein Drittel bis hin zu der doppelten Laufzeit des Vorgängermodells.  Diese Zahlen zeigen bereits, dass Apples Konzept hier durchaus aufgeht.

Spannend zu sehen ist insbesondere, wie sich die neue CPU auch auf die Hardware auswirken könnte. Wobei der Fokus hier auf “könnte” liegt. Bisher hat sich hardwareseitig in erster Linie eine Sache verändert: Das MacBook Air verfügt nun über keinen Lüfter mehr. Dies ist ein durchaus großer Vorteil, es wird sich allerdings zeigen müssen, inwieweit diese Tatsache auch durch Thermal Throttling reichen lässt.

Ansonsten haben die Macs bis jetzt von außen de facto keine großen Veränderungen erlebt. Sie befinden sich fast alle in einem nahezu identischen Gehäuse wie beim Vorgängermodell. Apple scheint sich dieses Jahr entsprechend also auf die Innereien konzentriert zu haben, und hat das Design von außen erst einmal belassen.

Allerdings spielen Analysten mit dem Gedanken, Apple könnte sich nun doch dazu durchringen, eine direkte Konkurrenz für das Microsoft Surface anzubieten. Denkbar wäre beispielsweise eine iPad/Mac-Hybrid-Variante. Dass die iPad-CPU durchaus bereits in der Lage wäre, Mac OS lauffähig zu betreiben, ist bereits bekannt. Die vorab veröffentlichte Mac-Version für Entwickler mit ARM-CPU lieh sich die CPU beim 2018er iPad Pro. 

Sowieso hat Apple bereits eigene Prinzipien über den Haufen geworfen. Während Steve Jobs das iPad als Gerät zwischen Mac und iPhone sah, hat der Konzern das iPad inzwischen auf das Niveau eines Macs bzw. PCs gebracht. Auch marketingtechnisch wird dies inzwischen so beworben. Als Zubehör bietet Apple unlängst auch eine Tastatur an, seit neuestem sogar eine Version mit Trackpad, so wird das iPad quasi zum Mac. Mit einem entscheidenden Unterschied: Der Mac hat weiterhin Mac OS, das iPad iOS. Somit stehen dem Nutzer zwar sehr viele Anwendungen zur Auswahl, Spezialfälle werden aber nicht abgedeckt.

Es würde sich also durchaus anbieten, beispielsweise auf einem zukünftigen iPad, vielleicht aber auch auf einem Mac Touch, eine Hybride Version aus Mac OS und iOS zu sehen. Mit der neuen ARM-Basis in den Macs verschwinden zumindest technisch die Gründe, warum die Systeme sich nicht noch näher begegnen sollten.

Gleichzeitig wäre aber auch so eine Aufwertung des iPads möglich, da Profi-Anwendungen nun auch für den neuen Mac veröffentlicht werden, und somit für die technische Basis des iPads. Auch wird spekuliert, Apple könnte beispielsweise die Pro-Anwendungen aus dem eigenen Haus, darunter Final Cut Pro X und Logic Pro X, für das iPad freigeben. Versionen, die auf ARM-CPUs ausführbar sind, hat der Konzern – logischerweise – bereits vorgestellt.

Es ist also durchaus vorstellbar, dass die innere Veränderung der Macs auf lange Sicht auch äußerlich große Auswirkung haben werden.

Es bleiben Fragen offen

Apple möchte die Transformation auf eigene CPUs bis spätestens 2022 vollständig abgeschlossen haben. Das heißt, bis spätestens dahin möchte der Konzern alle Produkte mit ARM-CPUs anbieten.

Der nun vorgestellte Apple M1-Chip, welcher die neuen MacBook-Generationen befeuern soll, ist ein SoC (system-on-a-chip). Das heißt, die Hauptkomponenten des PCs wurden in einen einzigen Chipsatz gepackt, darunter beispielsweise der Arbeitsspeicher, die Grafikkarte und natürlich die CPU. Bei einem klassischen Aufbau sind diese Komponenten voneinander getrennt. 

Das Problem: So ist es natürlich nicht möglich, RAM nachzurüsten oder andere Veränderungen an der Hardware vorzunehmen.

Diese Bauart ist insbesondere für mobile Geräte sinnvoll, iPhones haben beispielsweise auch ein SoC. Doch offen bleibt die Frage, ob Apple nun auch für große Macs, wie z.B. für den iMac, ein SoC plant.  Dann wäre es zum ersten Mal bei diesem Gerät nicht mehr möglich, den RAM zu erweitern. Da ein Aufrüsten von Apple selbst aber in der Regel sehr teuer ist, bietet der Konzern beispielsweise aktuell den iMac mit 27 Zoll nach wie vor mit 8 Gigabyte RAM an, da Nutzer diese oft sehr günstig nachträglich aufrüsten können. 

Der Apple M1-Chip, welcher jetzt vorgestellt wurde, ist also in erster Linie für Notebooks geeignet. Somit handelt es sich bisher um die Consumer Line, Pro-User müssen weiterhin auf neue CPUs warten. Auch bleiben Fragen bezüglich der weiteren Kompatibilität offen. Bekannt wurde nun bereits, das eGPUs mit den neuen MacBooks nicht mehr kompatibel sein werden. Hier stellt sich also die Frage, wie Apple mit dedizierten Grafiklösungen zukünftig umgehen wird. Geräte mit mehr Leistung, wie z.B. das MacBook Pro 16 Zoll, aber auch der iMac 27 Zoll und natürlich der Mac Pro, haben bisher immer eine dedizierte Grafik gehabt, damit hier deutlich mehr Rechenleistung zur Verfügung steht. Nun bietet Apple mit dem M1-Chip zwar eine sehr rechenleistungsstarke GPU an, jedoch wird diese Leistungsseite natürlich nicht mit einer dedizierten Grafik mithalten können.  Wie Apple sich hier die Umsetzung vorstellt, wie echte Firmen beispielsweise auch Partnerschaften mit Apple eingehen, ist bisher noch überhaupt nicht bekannt.

Generell bleibt abzuwarten, wann Apple die nächsten Macs mit ARM-CPUs vorstellt, welche Leistungsdaten diese dann haben werden, und wie der Aufbau der Hardware dann umgesetzt wird.

Doch lohnt sich jetzt ein Umstieg?

Mit der neuen Generation des MacBooks und auch mit dem neuen Mac mini, hat Apple mobile Geräte vorgestellt, welche über eine beeindruckende Leistung verfügen. Die Konkurrenz kann es aktuell mit diesen Produkten in diesen Kategorien nicht aufnehmen. Selbst für so manchen Pro-User können sich bereits jetzt die neuen Geräte lohnen. Apple gibt beispielsweise an, dass es mit der neuen M1-CPU möglich sein soll, drei 4k-Streams gleichzeitig flüssig schneiden zu können. So mancher etwas ältere Mac hätte damit ein Problem. Leistungsseitig müssen sich auch Musiker definitiv absolut keine Sorgen machen. Von der Performance her wird der neue M1-Chip dem Plan von Apple alle Ehre machen.

Problematisch ist es aktuell noch für Nutzer, die auf spezielle Software angewiesen sind. Zwar bietet Apple verschiedene Programme an, mit denen es für User so einfach wie möglich sein soll, auch nicht angepasste Software auf den neuen Macs nutzen zu können. Allerdings ist trotzdem davon auszugehen, dass insbesondere z.B. Treiber oder sehr komplexe Software vorerst nicht funktionieren werden. Insbesondere auch bei alter externer Hardware kann es hier dann dauerhaft zu einem Problem werden.

Als Beispiel: Die DAW-Software Ableton Live wird wohl vorerst nicht zeitnah ein Update für ARM-Macs bringen. Auch für Logic wird sich zeigen, inwieweit nicht angepasste Musik-Plugins auf den neuen Macs nutzbar sein werden.

Steigt man beispielsweise gerade von einem Windows-PC auf ein MacBook um, sollte man sich allerdings über all diese Sachen nicht allzu viele Sorgen machen. Da man nicht auf spezielle Software, die es vorher noch gab, angewiesen ist, sondern sowieso einen Plattformwechsel vollzieht, macht dies dann auch schon keinen Unterschied mehr.

Trotzdem ist es für einige ärgerlich, bis auf Weiteres wird es auf einem Mac kein Windows mehr geben. Bisher war die Installation über die Anwendung BootCamp von Apple möglich. Da Microsoft bisher aber nur unzureichend gute Versionen von Windows für ARM-CPUs anbietet, fällt diese Option nun erst einmal weg. Ob es hier dazu kommen wird, dass man wieder Windows auf Macs nutzen kann, bleibt offen. Auch wird man sehen müssen, ob die Simulation bzw. Virtualisierung grundsätzlich möglich sein wird. Bisher war es oft für Mac-Nutzer möglich, Software auf einer virtuellen Windows-Maschine laufen zu lassen und sie trotzdem im MacOS-System nutzen zu können.

Wir sind extrem gespannt, wie es mit dem Mac weitergeht. Apple hat nun das dritte Mal den großen Plattformwandel angekündigt und beginnt nun, diesen umzusetzen. Bisher waren diese Schritte für den Mac immer eine sehr gute Entscheidung. Es bleibt also abzuwarten, ob Apple den Mac solange aufweicht, bis er irgendwann in einer iOS-ähnlichen Plattform aufgeht, oder ob es den Mac weiter nach vorne bringt, zuletzt hatte Apple 2020 Umsatzrekorde mit dem Mac gebrochen. Auch der Marktanteil stieg in den letzten zehn Jahren kontinuierlich an. Es bleibt abzuwarten, wie sich die neuen Veränderungen auf den Mac auswirken werden.

Fynn Trenkner

B.Sc. Fynn Trenkner hat einen Bachelor in Informatik und ist unser Redaktionsleiter. Er beschäftigt sich mit Apple, Smart Home, Audiotechnik, Gaming und einigem mehr. Außerdem ist er das Seele und Gesicht von unserem YouTube Kanal.

Alle Beiträge ansehen von Fynn Trenkner →